Mit diesem Titel hatte Robotikexperte Ralph Lange am 21. Mai seinem Vortrag bei der Senioren Union Leonberg überschrieben, in dem er den anwesenden Mitgliedern einen fundierten Einblick in eine technologische Zeitenwende gab, die unsere Arbeits- und Lebenswelt grundlegend verändern wird. Im Zentrum des Vortrags stand die Erkenntnis, dass die neuen „Foundation Models“ der Künstlichen Intelligenz (KI) derzeit eine echte Revolution in der Robotik anstoßen. Humanoide Roboter, also Roboter mit einem menschenähnlichen Aussehen, die inzwischen von über hundert verschiedenen Unternehmen – vor allem Start-Ups – entwickelt werden, sind Projektionsfläche dieser KI-Entwicklungen. Ralph Lange machte deutlich, dass der viel zitierte „ChatGPT-Moment“ in der Robotik weniger ein plötzliches Ereignis, sondern vielmehr ein stetiger, aber hochdynamischer Fortschrittsprozess ist. Zwar ist der Weg zum universell intelligenten und fingerfertigen humanoiden Roboter noch weit. Dennoch ist die Geschwindigkeit der Innovationen atemberaubend: Lange prognostizierte, dass wir bereits in den kommenden zwei Jahren relevante praktische Einsätze humanoider Roboter erleben werden.
Die anschließende Diskussion beleuchtete die vielschichtigen Auswirkungen auf Industrie und Gesellschaft. In der industriellen Anwendung, so Lange, werde es künftig vor allem um eine Balance zwischen Flexibilität und Skalierbarkeit einerseits sowie Kosten und Langlebigkeit der Systeme andererseits gehen. Während im industriellen Umfeld die Effizienz im Fokus steht und nicht das menschenähnliche Aussehen, so wird im privaten und öffentlichen Raum viel bewusster mit der Form der Roboter experimentiert. Außerdem erklärte Ralph Lange, dass moderne KI-Methoden ein grundlegendes Umdenken bei der Entwicklung von Automatisierungslösungen erfordern. Entscheidende „Zutaten“ für den Erfolg sind leistungsfähige Softwareplattformen, Datenverfügbarkeit und Simulationstechnologien. Die Hyperscaler sowie neue Partnerschaften und Open-Source-Ansätze spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Der Nachmittag schloss mit einem nachdenklichen Blick auf die langfristigen gesellschaftlichen Fragestellungen, insbesondere im Hinblick auf das sogenannte „Post-Scarcity Paradoxon“, also die Überflusswirtschaft.
Schlussfolgerungen
- Die neuesten Entwicklungen im Bereich der KI („Foundation Models“) revolutionieren die Robotik
- Der „ChatGPT-Moment“ in der Robotik ist kein Moment im eigentlichen Sinne
- Die humanoide Robotik ist Projektionsfläche und Katalysator für die KI-Entwicklungen in der Robotik …
- … doch bis zu einem universell intelligenten und geschickten humanoiden Roboter ist es noch ein langer Weg
- Dennoch schreiten die KI-basierte und die humanoide Robotik rasch voran: In den nächsten zwei Jahren werden wir relevante Einsätze humanoider Roboter erleben
- Viele Fragen und Debatten über die langfristigen Perspektiven humanoider Roboter:
- Bei industriellen Anwendungen wird es um Flexibilität und Skalierbarkeit im Vergleich zu Kosten und Langlebigkeit gehen
- Im privaten und öffentlichen Raum wird die humanoide Form der Roboter eine viel wichtigere Rolle spielen
- Moderne KI-Methoden erfordern ein grundlegendes Umdenken bei der Entwicklung von Robotik-Automatisierungslösungen
- Wichtige „Zutaten“ sind Softwareplattformen, Daten und Simulation – Rolle der „Hyperscaler“
- Erfolg durch neue Partnerschaften und Allianzen sowie die zunehmende Bedeutung von Open Source
- Langfristige gesellschaftliche Fragen zur Überflusswirtschaft (Post-Scarcity Paradoxon)



